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Aktuelle Trends bei der privaten Krankenversicherung in Deutschland

Die privaten Krankenversicherungen haben schon seit einiger Zeit mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Seit ca. fünf Jahren ist die Anzahl der Mitglieder allgemein rückläufig. Allerdings fällt die Geschäftsbilanz der Versicherer recht unterschiedlich aus. Branchenprimus Debeka, Signal, Axa und Huk-Coburg konnten die Zahl ihrer Mitglieder auch in dieser Zeit weiter ausbauen. Andere Versicherer hingegen verloren deutlich an Kunden.

Trotz der unterschiedlichen Zahlen machen sich die negativen Entwicklungen auf den Finanzmärkten bei allen Versicherungsunternehmen bemerkbar. Einer der Hauptprobleme ist der andauernd niedrige Zinssatz. Die Niedrigzinspolitik macht Geschäfte auf den Kapitalmärkten zunehmend schwierig. Da es sich bei den privaten Krankenkassen letztendlich um gewinnorientiert handelnde Unternehmen handelt, die ihre Gewinne größtenteils durch Anlagen auf dem Kapitalmarkt erzielen, sind auch sie massiv von den Folgen der niedrigen Zinsen betroffen.

Investitionen auf dem freien Markt werfen also deutlich weniger Gewinne ab. Der dadurch resultierende Verlust wird wohl oder übel auf die Versicherten, also die Mitglieder umgelegt, was sich in steigenden Beiträgen deutlich bemerkbar macht. Beispielsweise erhöhte die Axa erst kürzlich einen Tarif (Vital 300 U) für Neuversicherte um ganze 38 %. Auch die restlichen Tarife sollen, freilich in geringerem Umfang, von Beitragserhöhungen betroffen sein. Im Schnitt stiegen die Versicherungsbeiträge bei der Axa 2017 um ca. 7 %.

Die steigenden Mitgliederbeiträge sind aber nicht allein auf den Niedrigzins zurückzuführen, sondern resultieren auch aus den allgemein rückläufigen Neuversicherungen bei gleichzeitig hohem Verlust an Versicherten (vgl. Artikel Die private Krankenversicherung und der demographische Wandel). Ein weiterer und nicht unerheblicher Grund liegt in der deutlich besseren medizinischen Versorgung. Fortschritte in der Medizin ermöglichen verbesserte Behandlungsmethoden. Diese sind aber zugleich kostenintensiver und belasten die Kassen der privaten Krankenversicherungen erheblich. Neue medizinische Möglichkeiten entpuppen sich also, zumindest aus Sicht der Privatversicherten, als zweischneidiges Schwert.

Alles in allem zeigt sich, dass die privaten Krankenversicherungen auch künftig mit strukturellen Problemen zu kämpfen haben werden. Im Zuge des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2017 kamen daher auch Reformvorschläge zur Sprache. So warben die SPD und die Grüne für eine sogenannte Bürgerversicherung. Damit soll das duale System von gesetzlicher und privater Krankenversicherung zugunsten einer einheitlichen Versicherung aufgehoben werden. In diese Bürgerversicherung soll dann jeder - unabhängig vom Einkommen - einzahlen. Dadurch sollen die Gewinne der Versicherung maximiert und folglich eine bessere medizinische Versorgung für alle ermöglicht werden. Mit der Einführung eines solchen Systems ist allerdings, zumindest in der aktuellen Legislaturperiode, nicht zu rechnen, zumal sich die CDU offen gegen die Einführung einer Bürgerversicherung ausgesprochen hat.

(bf)